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Fuerst Putiatin
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Dresden, Putiatinplatz

Bronze und Reinhardsdorfer Sandstein

lebensgroß



Am 7. November 1997 wurde zur Erinnerung an Fürst Putjatin und sein Wirken für die Gemeinde auf dem Putiatinplatz in Kleinzschachwitz meine Plastik eingeweiht. Auftraggeber war das Münchner Unternehmen Terrafinanz, das hier eine großzügige Wohnsiedlung mit Läden und Geschäftsräumen gebaut hat. Die Außenanlage wurde vom Dresdner Büro Grünzeug gestaltet, die Formguß Dresden GmbH führte die Bronzearbeiten aus und half beim Aufstellen.

Fürst Nikolai Abramowitsch Putjatin war eine interessante und geistvolle Persönlichkeit. Sympathisch an ihm ist mir unter anderem, daß er sowohl an die Zukunft dachte als auch tatkräftig in der Gegenwart wirkte. Sein Leitspruch war: Das Gute soll getan und nicht bloß besprochen und zersprochen werden. Liebenswert ist er mir auch durch seine Fähigkeit, sich unabhängig seiner Stellung spielerisch seinen Launen hinzugeben. Bemerkenswert ist, daß er trotz oder gerade wegen seiner Absonderlichkeit von den Kindern nicht verlacht, sondern geachtet wurde. Für sie ließ er einen Spielplatz und eine Schule bauen. Mit skurrilen Erfindungen suchte er sich und seiner Familie das Leben zu erleichtern und seine Gäste zu erheitern. Für seine Erbauung und zur Belustigung hatte er in seiner Villa und im Garten zahllose Schaukeln und schaukelnde Sitzgelegenheiten mit zum Teil erheblichen Ausmaßen aufstellen lassen. Das Haus hatte sechzehn Balkone, einen großen Dachgarten und seitlich einen minarettartigen Turm zur Beobachtung von Wind und Wetter, genannt wurde es das Storchennest. Überliefert ist des weiteren die Tierliebe des Fürsten. Er hatte ständig einige Möpse um sich. Diese Hunderasse war damals in adligen Kreisen wegen ihres Temperaments, ihrer Spielfreude und Friedfertigkeit außerordentlich beliebt. Seiner Zeit voraus hatte der Fürst erkannt, daß zeitweises Nacktsein das Wohlbefinden verbessert. Er ging dieser Vorliebe im Hause nach und empfing so auch Besuch, wobei er sich für diesen unsichtbar auf der Galerie bewegte. Viele Geschichten und Anekdoten über ihn sind überliefert. Mehr davon kann man im soziokulturellen Zentrum Putjatinhaus, der ehemaligen Schule, in der Nähe des Putjatinplatzes erfahren. Mit meiner Plastik würdige ich einen Menschen, der über seine Zeit hinaus Gutes getan hat, der ein Menschenfreund und dem Nächsten zugewandt war. Seine Eigentümlichkeiten waren gegen niemand gerichtet, waren keine Imagepflege, sondern ihm notwendig erscheinende Vorkehrungen gegen ihn persönlich treffende oder befürchtete Widrigkeiten. Dargestellt habe ich ihn in einem Überrock und mit der bekannten Kopfbedeckung auf dem Haupt, zwei Möpse neben sich und einladend zur Seite gerückt auf einer seiner großen Schaukeln.

Kunst gibt es nicht um der Kunst willen, Kunst ist für den Menschen da. Sie hat eine Tradition und sie verändert sich, vor allem aber hat sie eine Verantwortung. Mir ist wichtig, daß meine Meinung, meine Haltung zum Dargestellten ablesbar wird. Der Betrachter soll selbständig darüber nachdenken, er kann seine Ansicht ändern oder findet sie bestätigt. Ich habe die Hoffnung, daß auf diese Weise auch die Kunst dazu beitragen kann, die Menschen menschlicher zu machen.



Detlef Herrmann, Radeberg